Geschichte

Die Jahre gehen schnell vorüber. In der Erinnerung eine reiche Fülle von bleibenden, überlieferten und erlebten Eindrücken und Gedanken. Eine Vielzahl von  fröhlichen, erfolgreichen und  auch leidvollen Erlebnissen und Erfahrungen einer Vereinsgeschichte. Neben glorreichen Jahren auch Bewährungsproben in wechsel-vollen  Zeiten. In der Erinnerung  schmerzhafte Abschiede von Vereinskameraden. Im Bewusstsein, dass Freud und Leid auch in einem Vereinsleben nahe beieinander liegen, ist der Männerchor Nendeln stolz auf seine traditionsreiche Geschichte, für  die 1891 einige vom Gesang beseelte Sänger aus unserem Dorf den Grundstein legten.

Herausragende Daten

Die absolut herausragenden Daten der Vereinsgeschichte sind neben dem Gründungsjahr 1891, die 1. Fahnenweihe im Jahr 1922 im Rahmen der Durchführung des 3. Liechtensteinischen Bundes-sängerfestes, welches vom Männerchor Nendeln veranstaltet wurde. Die Farben sind in Rot und Weiss gehalten, reichlich mit herrlichen Verzierungen geschmückt. Mit der Lyra verbindet sich der Schriftzug ‚Im Frieden und im Streit – ein Lied ist gut Geleit! Dann das Bundessängerfest 1951, welches wiederum der Männerchor Nendeln ausrichtete. Dieses Sängerfest verband der Chor mit einer eindrücklichen Feier zu Ehren des grossen liechtensteinischen Komponisten Josef Gabriel Rheinberger. Als weiteres geschichtsträchtiges Ereignis in der Vereinschronik des Männerchors  Nendeln steht die Weihe der neuen Vereinsfahne im Jahr 1962, die ebenfalls im Rahmen des Bundessängerfestes in Nendeln stattfand. Die neue Fahne präsentierte sich auf rotem Grund im sogenannten Freiviertel den hl. Sebastian, den Nendler Kirchenpatron. Das Blau weist auf die Heimatgemeinde Eschen hin und zeigt im harmonisch rot-blauen Farbwechsel die Lyra, das Symbol der Tonkunst.

Das letzte Bundessängerfest, für welches der Männerchor  Nendeln verantwortlich zeichnete wurde 1986 in Nendeln durchgeführt.  Eine ganz besondere Wegmarke war natürlich auch die grosse 100 Jahr-Feier  unseres Vereins im Jahr 1991. Zu diesem denkwürdigen Anlass produzierte der Männerchor Nendeln auch  seinen ersten Tonträger.

Im Bewusstsein dieser herausragenden Ereignisse seines Vereinslebens will der Männerchor Nendeln diesen markanten Wegmarken eine weitere hinzufügen und fühlt sich sehr geehrt, für das Fürstlich Liechtensteinische Bundessängerfest 2014 wieder als Veranstalter tätig sein zu dürfen.

Hinter allen diesen geschichtsträchtigen Daten steht eine überaus grosse Zahl von einsatzfreudigen Sängern, von engagierten  Dirigenten, verantwortungsbewussten Vereinspräsidenten und Vorständen, welche die Vereinsideale des  Männerchors Nendeln stets hoch-hielten und den Chor durch die Klippen der Zeit bis in die Gegenwart getragen haben.

Die Gründer und die Dirigenten des Männerchors Nendeln

Der Lehrer und spätere Dirigent Alois Ott ehrt in der Festschrift zum  50 jährigen Jubiläumsfeier die Vereinsgründer und nennt ihre Namen (Zitat): “ Lehrer Franz Josef  Müssner, Albert Kranz, Hermann Kranz, Gebhard  Schädler, Alois  Näscher,  Gebhard  Matt, Arnold  Näscher, Franz  Krister, August Näscher, Franz Netzer, Wilhelm Hundertpfund. Leider sind alle diese Gründer von uns gegangen. Ihr Werk aber lebt und besteht weiter. Auch ihre Namen leben weiter in der Chronik des Vereins. Ferner dürfen auch jene Mitglieder ehrend erwähnt werden, die kurz nach der Gründung dem Männerchor beitraten:  Albert Marxer, Franz Josef Ott, Josef Kranz.“ (Zitatende)

Die erste musikalische Leitung des Männerchors Nendeln übernahm Fidel Hagen. Ihm folgten als Dirigenten  Franz Josef Müssner, Theodor Hassler, Jakob Kaufmann, Roman Matt, Lorenz Eberle, Johann Büchel, Alois Ott, Walter Kaufmann, Manfred Biedermann und Christian Nipp. Für seine überaus bemerkens-werten gesanglichen  Leistungen wusste der Chor zu jeder Zeit  in der Öffentlichkeit auf sich aufmerksam zu machen und durfte grosse Anerkennung entgegen nehmen. Fürstlicher Musikdir-ektor Walter Kaufmann war ein leidenschaftlicher Verehrer unseres  grossen Liechtensteiner Komponisten Joseph Gabriel Rheinberger, dessen umfangreiches musikalisches Schaffen in eine Zeit der Blüte des Männerchorgesangs viel. Walter Kaufmann brachte die anspruchsvollen Werke Rheinbergers mit dem Männerchor Nendeln denn auch immer wieder zur Aufführung.

Im Jahr 1951 schrieb Walter Kaufmann aus Anlass des 50. Todestages des genialen Komponisten in die Festschrift der Rheinberger-Feier in Nendeln (Zitat): „Ist es notwendig, die Gesangsvereine unseres Landes auf die beiden schönen vater-ländischen Lieder ‚An die Heimat und ‚Dort wo am jungen Rhein‘ aufmerksam zu machen? ‚O Heimatland in weiter Fern…., wohl das schönste Gedicht von Johann Baptist Büchel und so treffend, schlicht und einfach fand der grosse Rheinberger den Ton dazu!“ (Zitatende)

O Heimatland in weiter Fern!
Wirst du genannt,
lausch ich so gern.
Bin ich in Wald und Wiesengrün,
nach dir geht all mein Sehnen hin.
O glücklich Los,
schlöss einst zur Ruh‘,
in deinem Schoss mein Aug‘ ich zu.
O Liechtenstein! O teures Land!
Du Wiege mein am Rheines Strand!

Als Dorfverein hatte sich der Männerchor Nendeln zum Ziel gesetzt, das kirchliche und weltliche Leben in Nendeln, in der Gemeinde Eschen und in Liechtenstein musikalisch mitzu-gestalten. Diesem Grundsatz ist er bis heute treu geblieben.  Seine Vereinschronik beinhaltet daher auch einen wesentlichen Teil der Nendler  Dorfgeschichte.

Zur Dorfgeschichte

Das Dorf Nendeln wurde 1395, also lange vor dem Gründungsdatum des Männerchors Nendeln, erstmals geschichtlich erwähnt. Nendeln war immer ein Dorfteil der Gemeinde Eschen. Der Name von Nendeln ist vermutlich keltischen Ursprungs. „Nantu-ialo“ und bedeutet so viel wie „Tallichtung“. Man kann sich also vorstellen, dass sich auf diesem ansteigenden Hang am Fuss des Dreischwestern-Massivs eine Lichtung, das heisst eine  nur mit wenig Bäumen bestockte Fläche befand, die dazu einlud eine Siedlung zu errichten. Der Ort Nendeln und damit die Region waren offensichtlich schon in der frühen Geschichte sehr interessant und attraktiv für die Ansiedlung. Im Lauf der Jahr-hunderte hatten sich die Volksstämme der Römer, der Rätier, der Kelten und Alemannen hier niedergelassen und sich um die Eroberung der Gebiete kriegerische Auseinandersetzungen geliefert.

Nendeln hat daher auch Strassen nach diesen Volksstämmen benannt: Wir kennen die Römerstrasse, die Rätierstrasse, die Keltenstrasse, die Alemannenstrasse in Nendeln. Die Castellstrasse weist auf das Castell, den römischen Gutshof hin, der weitgehend frei gelegt wurde und dessen Grundmauern heute von vielen Besuchern besichtigt werden.

Erste Siedlungsspuren in Nendeln stammen aus der jüngeren Eisenzeit (5 Jahrhundert vor Christus bis Christi Geburt). Eine Grube in der Graffittonkeramik gefunden wurde gibt Hinweis auf eine vorrömische Ansiedlung. Also noch bevor die römische Villa im Feld ca. im 2.Jahrhundert nach Christus errichtet wurde.

Nendeln lag an der Römerstrasse Bregenz – Mailand im Mittel-abschnitt der Reichsstrasse Lindau – Mailand. Dieser Strassenzug stellte schon damals eine sehr wichtige Nord-Süd Verbindung im mitteleuropäischen Raum dar. Die Strasse prägte die Siedlungsstruktur von Nendeln, an der zunächst zwei Wirtshäuser und eine Zuschg entstanden.

Die Zuschg diente zur Auswechslung der Pferdegespanne, um mit ausgeruhten Zugpferden die Fahrt fortsetzen zu können. Die ‚untere Wirtschaft zum Engel‘ wurde 1660 erwähnt und die ‚obere Wirtschaft zum Löwen‘  1720. Diesen beiden Wirtshäusern kam neben dem heutigen Stammlokal,  zunächst ‚Landhaus‘ dann ‚Weinstube‘ im Vereinsleben des Männerchor Nendeln eine wesentliche Bedeutung zu.

Die Bruderschaft St. Sebastian

Eng verbunden mit der Vereinsgeschichte des Männerchors Nendeln ist die Bruderschaft St. Sebastian, die 1623 in Nendeln gegründet worden war. Beweggrund war eine pestartige Krankheit, die in dieser Zeit in Nendeln und in der Umgebung viele Menschenleben forderte. 1639 liessen der Nendler Wolf Senti und seine Frau Maria Öhri zur Abwendung von Pest und Krieg, die Kapelle St. Sebastian und St. Rochus errichten. Diese Kapelle, die ein wirkliches Kleinod war, stand dort wo heute das Café Meier (Dolce Vita) steht.

Die Nendler Bruderschaft St. Sebastian wurde 1694 von Papst Innozenz XII in Rom genehmigt und mit Ablässen begnadigt.  In den Archiven des Vatikans in Rom wird also heute noch eine Pulle  (päpstlicher Erlass) aufbewahrt, welche von der päpstlichen Genehmigung der Nendler Bruderschaft St. Sebastian Zeugnis gibt. Welch ein grosses geistiges Erbe, das wir in Nendeln besitzen und dieses weiter pflegen dürfen! Nachdem die Krankheit ab-geklungen war, wurde die Bruderschaft durch den allgemeinen Bruderschaftsgeist erfüllt. Das religiöse Fundament blieb bis heute erhalten. In den Mittelpunkt rückte das Gedenken an die Verstorbenen. Mit einem vom Männerchor gesungenen Requiem und der anschliessenden Bruderschaftsfeier wird der Bruderschaftstag in jedem Jahr begangen. Träger der Bruderschaft ist der Männerchor Nendeln. So ist jedes Mitglied des Männerchors Nendeln gleichzeitig auch Mitglied der Bruderschaft St. Sebastian. Sie steht aber allen Frauen und Männern offen. Gemäss den Satzungen der Bruderschaft finden sich die Mitglieder der Bruderschaft jeweils am ersten Werktag nach dem Fest des Hl. Sebastian im Gottesdienst ein und opfern ‚wenigstens einen Rappen‘!

Zur Vereinsgeschichte

Neben seinen vielfältigen  kirchlichen und weltlichen Verpflichtungen verstand es der Verein auch immer unterhaltsame, festliche Feierstunden abzuhalten. Die seit der Geburtsstunde bestehende Tradition der Christbaumfeier hielt sich bis ins Jahr 1949. Aus den Schulakten von 1891 ist dazu zu entnehmen (Zitat): „Die Abhaltung dieser kleinen Feier geschah abends 7 Uhr im hiesigen Schulhaus unter Zudrang von beinahe allen hiesigen Einwohnern und noch vielen Personen aus anderen Gemeinden. Gross und Klein, Jung und Alt wollten das reich beschmückte Bäumchen sehen und dem Gesange und den Declamationen der Schüler beiwohnen, sowie einzelne Gesangsvorträge des Quartetts an-hören. Langsam und geheimnisvoll drehte sich der strahlende Baum um seine eigene Achse und zeigte den Schülern so manche Gaben, welche sie nach dem Löschen der Lichter freudigst in Empfang nehmen und mit ihren Eltern nach Hause nehmen konnten.“(Zitatende)

Die Kilbe-Konzerte, an welchen der Männerchor Nendeln immer auch theatralische Lust- und Singspiele aufführt, haben eine reiche Tradition. Auch Unterhaltungsabende in der Fastnachtszeit fehlten nicht. Dabei konnte der Chor auch immer über sich selbst lachen.  Der nachstehende Reim möge dies verdeutlichen:

Ein streng Gericht wird jetzt gehalten,
Die Jungen trifft es wie die Alten,
Doch heizen wir besonders ein,
Dem löblichen Gesangsverein.
Beim Gesangsverein wird oft gelärmt,
Der Dirigent sich vielmals härmt,
Sie öffnen ihre Mäuler weit,
Und Recht hat, wer am meisten schreit.
Jüngst hörte man ein laut Geschrei,
Und niemand wusste, was es sei,
Man glaubte dann beim Arnold Ott,
da schlage man ein Säulein tot.
Und schliesslich fragt man allgemein,
Ob Arnold schlachte heut ein Schwein.
Ein Büblein sagte drauf: O nein,
Es hat nur Probe der Gesangsverein!

Die schicksalshaften Ereignisse des 20. Jahrhunderts tangierten selbstverständlich auch das Vereinswesen sehr stark und stellten die Vereine vor eine harte Bewährungsprobe. Im Besonderen zu erwähnen sind die beiden Weltkriege und der verheerende Rheineinbruch im Jahr 1927. Mit beharrlicher Konsequenz allen diesen grossen und auch den gelegentlichen Widerwärtigkeiten entgegen wirkend, setzte der Männerchor Nendeln seinen statutarischen Auftrag  in der Fülle seiner Vereinsjahre pflichtgetreu und erfolgreich um. Er darf heute mit Stolz auf eine traditionsreiche Vereinsgeschichte zurückblicken.

In welcher neben den zuvor bereits erwähnten Höhepunkten der Besuch S.H. Papst Johannes Paul II. in Liechtenstein im Jahr 1985 absolut herausragt und im Besonderen erwähnt werden darf. Der Männerchor Nendeln fühlte sich sehr geehrt und tief beeindruckt, zusammen mit anderen Chören des Liechtensteiner Unterlandes die von Seiner Heiligkeit im Sportpark Eschen-Mauren  vor 30 000 Gläubigen zelebrierte Heilige Messe  musikalisch umrahmen zu dürfen. Mächtig und ergreifend erhoben sich die Klänge der vorgetragenen musikalischen Werke  in den strahlend blauen Morgenhimmel.

Mit der Einrichtung der Internetseite www.mcn.li verstärkte unser Verein im Jahr 2009 seine Kommunikation nach aussen wie auch nach innen.

Im Jahr 2010 wurde dem Männerchor Nendeln die grosse Ehre zuteil, der Fürstlichen Familie auf Schloss Vaduz  einen bunten Liederstrauss zu überbringen. Es war dies der erste Auftritt unseres Chores auf Schloss Vaduz.  Während die Mitgestaltung des Staatsfeiertages ein fester Bestandteil des jeweils anspruchs-vollen Jahresprogrammes unseres Vereins darstellt.

Neben dem alljährlichen Kilbe-Konzert am Kilbesonntag und den vielen zusätzlichen weltlichen Terminen, sieht das Jahresprogramm Auftritte des Männerchors Nendeln an allen kirchlichen Hochfesten und an weiteren kirchlichen Anlässen  vor. Wobei dem Singen zu Ehren der Muttergottes eine herausgehobenene Bedeutung zukommt. An Allerheiligen gedenkt der Männerchor Nendeln am Morgen in der Kirche St. Sebastian in Nendeln und am Nachmittag in der Kirche St. Martin in Eschen der Verstorbenen Vereinskameraden und aller Verstorbenen der Gemeinde Eschen-Nendeln. Seit einigen Jahren veranstaltet der Chor nach der Fronleichnamsprozession und am Erntedank-Sonntag jeweils einen Frühschoppen auf der Kirchenwiese. Dieses Jahr wurde erstmals auch eine Waldandacht mit Waldsegnung und anschliessendem Waldfest gefeiert.

Zur intensiven gesanglichen Weiterbildung führt der Chor jedes Jahr ein Singseminar durch und lädt die Sänger zur Einzelstimmbildung ein. Unter der Leitung seines Dirigenten Christian Nipp blickt der Männerchor Nendeln mit Zuversicht in die Zukunft.

– Oswald Kranz